Auswandern nach Slowenien
Morgens Nebel überm Moor, mittags der Triglav am Horizont, abends Adria – Slowenien packt eine ganze Landschaft in eine Autostunde. Ljubljana ist Kleinstadt mit Hauptstadtprogramm: Fluss, Drachenbrücke, Kaffee draußen bis Oktober. Beim Preis wirst du stutzen: Wohnen kostet fast wie in Graz, verdient wird deutlich weniger.
Slowenien in Zahlen
- Lebenshaltung (1 Person): 1.800 €/Monat
- Miete 1-Zi. Zentrum: 850 €/Monat
- Temperatur (Winter–Sommer): 0 bis 21 °C
- Spitzensteuersatz: 50 %
- Flugzeit ab Deutschland: ca. 1.5 Std.
- Zeitverschiebung: gleiche Zeit
- Deutsche Community: Kaum vorhanden
Visum und Aufenthalt
EU-Freizügigkeit: Einreise frei, ab 90 Tagen Aufenthalt braucht es die Anmeldebescheinigung bei der Verwaltungseinheit (upravna enota).
- EU-Freizügigkeit, kein Visum nötig
- Anmeldebescheinigung ab 90 Tagen Aufenthalt
- Wohnsitzanmeldung bei der Verwaltungseinheit
- Steuernummer (davčna številka) bei FURS
- Daueraufenthalt nach fünf Jahren
Steuern
Fünf Stufen von 16 bis 50 Prozent, der Spitzensatz greift ab rund 82.300 Euro. Kapitalerträge, Zinsen, Dividenden und Mieten werden pauschal mit 25 Prozent besteuert.
Gesundheitsversorgung
Die gesetzliche Pflichtversicherung deckt das Meiste ab, doch bei Facharztterminen und planbaren Eingriffen sind lange Wartelisten der Normalfall.
Gesellschaft und Alltag
Ehe und Adoption für gleichgeschlechtliche Paare seit 2022, als erstes Land des früheren Ostblocks. Ljubljana ist jung und liberal, das Land drumherum katholisch-konservativ; die Presse gilt wieder als freier.
Alpine Zurückhaltung mit slawischer Wärme: Man siezt lange, kritisiert vorsichtig und misstraut dem Angeber. Termine gelten, Ämter nicht immer – und beim Nachbarn heißt „kava?" eine halbe Stunde Zeit, nicht fünf Minuten.
Sprache und Verständigung
- Amts- und Umgangssprachen: Slowenisch, Englisch, Kroatisch/Serbisch, Italienisch, Ungarisch
- Kommt man mit Englisch durch?: Im Alltag meist ja
- Deutschsprachige Community: Kaum vorhanden
Arbeiten in Slowenien
60
Gefragte Branchen
- Automobilzulieferer und Maschinenbau
- Pharma und Chemie
- IT und Softwareentwicklung
- Tourismus und Gastgewerbe
- Logistik über den Hafen Koper
- Pflege und Gesundheitswesen
Für Ortsunabhängige gibt es ein eigenes Visum für digitale Nomaden.
Regionen in Slowenien
- Ljubljana & Zentralslowenien (metropole, Kostenfaktor ×1.18) – Fast alle Jobs des Landes, Mieten aber nur 16 % unter Wien.
- Küste & Karst (Primorska) (küste, Kostenfaktor ×1.08) – Mildeste Winter am Meer, dafür nur 47 km Küste und hohe Preise.
- Julische Alpen & Gorenjska (berge, Kostenfaktor ×0.95) – Bergseen und Skigebiete vor der Tür, Wohnraum knapp und Winter lang.
- Ostslowenien (Maribor, Celje, Prekmurje) (ländlich, Kostenfaktor ×0.78) – Mieten rund halb so hoch wie in Ljubljana, dafür wenig Arbeit.
Umgangsformen in Slowenien
Was gut ankommt
- Schuhe an der Wohnungstür ausziehen
- Erfolg leise halten – Angeber gelten als peinlich
- Einladungen zum Wandern annehmen
Was man besser lässt
- Slowenien mit der Slowakei verwechseln
- Das Land als „Balkan" einsortieren
- Mit Nachbarn über dein Gehalt reden
Kennenlernen und Familie
Beziehungen wachsen langsam und halten dann lange – man lernt sich beim Sport, im Studium oder über Freunde kennen, seltener per App. Geheiratet wird spät, oft erst nach den Kindern: Unverheiratete Eltern sind hier der Normalfall, nicht die Ausnahme.
Mit Kindern nach Slowenien
- Schule: Öffentliche Schulen auf Slowenisch, im PISA-Vergleich über OECD-Schnitt; neun Jahre Grundschule ab fünf oder sechs, Nachmittagsbetreuung inklusive.
- Internationale Schulen: In Ljubljana QSI und British International School (rund 10.000–17.000 €/Jahr), dazu die staatliche IB-Schule Danila Kumar; eine deutsche Schule gibt es nicht.
- Kinderbetreuung: Vrtec ab elf Monaten, Beitrag nach Einkommen (etwa 80–350 €/Monat); ein zweites Kind gleichzeitig ist beitragsfrei, in Ljubljana gibt es Wartelisten.
- Familienleistungen: Kindergeld einkommensabhängig (rund 20–120 € je Kind), dafür fast ein Jahr Elternzeit mit nahezu vollem Lohnersatz.
Regeln, die überraschen
- Alkohol: Erst ab 18 – auch für Bier und Wein. Läden verkaufen zwischen 21 und 7 Uhr keinen Alkohol, Spirituosen erst ab 9 Uhr.
- Autobahn-Vignette: Ohne gültige E-Vignette darf kein Fahrzeug auf die Autobahn – die Kennzeichen werden elektronisch kontrolliert, Bußgeld folgt automatisch.
- Cannabis: Besitz kleiner Mengen ist keine Straftat, sondern Ordnungswidrigkeit (36–179 €); medizinisches Cannabis ist seit 2025 legal, Handel bleibt strafbar.
- Anmeldung: Als EU-Bürger reist du frei ein, musst den Aufenthalt aber nach drei Monaten bei der Verwaltungseinheit (upravna enota) anmelden.
- Rauchen: Rauchverbot in allen geschlossenen öffentlichen Räumen, Lokalen und Bahnhöfen – gilt auch für E-Zigaretten.
Bewertungen im Vergleich
Kuratierte Richtwerte von 0 bis 100, je höher desto besser.
- Gesundheitssystem: 76 von 100
- Sicherheit: 90 von 100
- Offenheit ggü. Ausländern: 58 von 100
- Politische Stabilität: 76 von 100
- Pressefreiheit: 76 von 100
Freizeit
- ⛷️ Skitag vor der Haustür
- 🥾 Triglav & Julische Alpen
- 🏊 Bled & Bohinj
- 🕳️ Karsthöhlen (Postojna)
- 🍷 Vipava- & Brda-Weine
- 🚴 Radeln bis zur Adria
Dafür spricht
- Von den Alpen ans Meer sind es zwei Autostunden - Berg und Adria am selben Tag.
- EU, Euro und Schengen: Umzug, Konto und Krankenversicherung laufen ohne Visumsverfahren.
- Sehr sicher und schnelles Internet - Numbeo und Ookla ordnen Slowenien weit oben ein.
Dagegen spricht
- Ohne Slowenisch bleibt der Arbeitsmarkt weitgehend zu - Englisch reicht nur in der IT.
- Gegen Wien ist Ljubljana rund 20 Prozent günstiger, gegen Graz nach Numbeo nur etwa 8.
- Fünfzig Prozent Spitzensteuer ab 82.300 Euro, dazu lange Wartelisten beim Facharzt.
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