Auswandern nach Spanien
Das Leben findet draußen statt: Um 22 Uhr sitzen Großeltern, Kinder und du beim Abendessen auf der Plaza. Alles beginnt später, dauert länger und ist lauter, als du es kennst – und nach drei Monaten willst du es nie wieder anders.
Spanien in Zahlen
- Lebenshaltung (1 Person): 1.800 €/Monat
- Miete 1-Zi. Zentrum: 850 €/Monat
- Temperatur (Winter–Sommer): 12 bis 26 °C
- Spitzensteuersatz: 54 %
- Flugzeit ab Deutschland: ca. 2.5 Std.
- Zeitverschiebung: gleiche Zeit
- Deutsche Community: Sehr groß
Visum und Aufenthalt
EU-Freizügigkeit: Einreise frei, NIE-Nummer und Anmeldung (Empadronamiento) vor Ort.
- EU-Freizügigkeit (kein Visum)
- NIE + Residencia-Registrierung
Steuern
Bis 54 % in den teuersten Regionen – der Satz setzt sich aus Staats- und Regionalanteil zusammen und fällt je nach Autonomer Gemeinschaft spürbar niedriger aus. Beckham-Gesetz: 24 % Pauschale für zugezogene Angestellte (6 Jahre).
Gesundheitsversorgung
Gutes öffentliches System, kurze Wartezeiten bei Privatversicherung (~50–100 €/Monat).
Gesellschaft und Alltag
Eines der LGBTQ+-freundlichsten Länder weltweit inkl. Trans-Selbstbestimmung; vegane Szene in Großstädten stark, Landküche fleischlastig.
Das Leben spielt draußen und später: Abendessen um 21:30, Lautstärke ist Zuneigung. Termine sind eher Richtwerte – dafür bist du nach zwei Begegnungen beim Du und auf der nächsten Familienfeier.
Sprache und Verständigung
- Amts- und Umgangssprachen: Spanisch
- Kommt man mit Englisch durch?: Im Alltag meist ja
- Deutschsprachige Community: Sehr groß
Arbeiten in Spanien
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Gefragte Branchen
- Tourismus
- IT (Barcelona/Madrid)
- Immobilien
- Lehre/Sprachen
Für Ortsunabhängige gibt es ein eigenes Visum für digitale Nomaden.
Regionen in Spanien
- Madrid (metropole, Kostenfaktor ×1.25) – Bester Arbeitsmarkt und Nahverkehr des Landes, höchste Mieten Spaniens, kein Meer.
- Barcelona & Katalonien (küstenmetropole, Kostenfaktor ×1.2) – Stadt, Strand und internationale Szene – knapper Wohnraum, Katalanisch in Schule und Amt.
- Valencia & Costa Blanca (küste, Kostenfaktor ×0.92) – Großstadt und Küste deutlich günstiger als Barcelona, dafür weniger internationale Jobs.
- Andalusien (süden, Kostenfaktor ×0.82) – Milde Winter und die günstigste Küstenregion, dafür hohe Arbeitslosigkeit.
- Balearen (Mallorca, Menorca, Ibiza) (insel, Kostenfaktor ×1.22) – Rund 22.000 gemeldete Deutsche auf Mallorca, dafür die zweitteuersten Mieten des Landes.
- Kanarische Inseln (insel, Kostenfaktor ×0.95) – Ganzjährig 20 bis 27 Grad und nur 7 % IGIC, dafür Insellage mit teuren Flügen.
- Baskenland & Nordkueste (küste, Kostenfaktor ×1.05) – Höchste Löhne und beste Versorgung Spaniens, dafür viel Regen und Baskisch im Amt.
- Landesinneres (Kastilien & Extremadura) (ländlich, Kostenfaktor ×0.7) – Mieten bei gut der Hälfte des Landesschnitts, dafür kaum Arbeitsmarkt und kalte Winter.
Schritt für Schritt nach der Ankunft
Für EU-Bürger, die länger als drei Monate in Spanien bleiben wollen. Ein Visum brauchst du nicht – die Anmeldung trotzdem.
1. NIE beantragen (Número de Identidad de Extranjero)
Oficina de Extranjería oder eine spanische Polizeistelle mit Ausländerabteilung; vom Ausland aus über das spanische Konsulat
Die NIE ist deine lebenslange Kennnummer in Spanien – ohne sie geht kein Bankkonto, kein Mietvertrag, kein Arbeitsvertrag. Antrag mit Formular EX-15, Termin über die Cita Previa.
Kosten: rund 12 € über das Formular Modelo 790, Código 012
- Reisepass oder Personalausweis, Original und Kopie
- Formular EX-15
- Begründung, wozu du die NIE brauchst
- Zahlungsbeleg Modelo 790
Die NIE allein ist KEIN Aufenthaltsrecht. Sie ist nur eine Nummer – wer bleiben will, braucht zusätzlich das Certificado weiter unten.
2. Empadronamiento (Eintrag ins Melderegister)
Ayuntamiento – das Rathaus deiner Gemeinde
Du meldest deine Wohnadresse im Padrón Municipal an und bekommst das Certificado de Empadronamiento. Das ist die Grundlage für fast alles Weitere, auch für Arztanmeldung und Schulplatz.
- Reisepass oder Personalausweis
- Mietvertrag oder Kaufvertrag
- Manchmal eine aktuelle Nebenkostenrechnung
DIESER SCHRITT KOMMT VOR DEM CERTIFICADO. Ohne Empadronamiento wirst du zum Termin für das Certificado gar nicht zugelassen – wer die Reihenfolge dreht, verliert die ganze Terminkette.
3. Certificado de Registro de Ciudadano de la Unión
Oficina de Extranjería
Das grüne Papier – umgangssprachlich „grüne NIE" oder Residencia – bescheinigt dein Aufenthaltsrecht als EU-Bürger. Antrag mit Formular EX-18.
Frist: innerhalb von drei Monaten nach der Einreise
Kosten: rund 12 € (Modelo 790, Código 012)
- Formular EX-18
- Certificado de Empadronamiento
- Nachweis über Krankenversicherung
- Nachweis über ausreichende Mittel: Arbeitsvertrag, Rentenbescheid oder Kontoauszug
Der Engpass ist nicht der Antrag, sondern der Termin: In Madrid und Barcelona liegen zwischen Anfrage und Cita Previa oft zwei bis sechs Wochen. Termin buchen, bevor die drei Monate ablaufen.
4. Sozialversicherung und Gesundheitskarte
Tesorería General de la Seguridad Social, danach das örtliche Centro de Salud
Mit der Sozialversicherungsnummer (NUSS) meldest du dich beim Gesundheitszentrum an und bekommst die Tarjeta Sanitaria. Wer angestellt ist, wird meist vom Arbeitgeber gemeldet.
- NIE
- Certificado de Empadronamiento
- Arbeitsvertrag oder Nachweis der Selbstständigkeit
Stand 08/2026. Keine Rechtsberatung.
Umgangsformen in Spanien
Was gut ankommt
- Zwei Küsschen zur Begrüßung mitmachen
- Spät essen lernen – Küche öffnet ab 21 Uhr
- Sobremesa genießen: nach dem Essen sitzen bleiben
Was man besser lässt
- Um 18 Uhr einen Restauranttisch erwarten
- Siesta-Schließzeiten persönlich nehmen
- Lautstärke als Streit missverstehen
Kennenlernen und Familie
Offen, flirtfreudig, unkompliziert – Apps und Ausgehen gehören dazu, ohne Verkrampfung. Die Familie ist Ankerpunkt: Sonntag gehört oft den Eltern, und Partner werden früh vorgestellt.
Mit Kindern nach Spanien
- Schule: Öffentliche Schulen auf Spanisch (regional Katalanisch etc.) – Kinder lernen die Sprache erstaunlich schnell.
- Internationale Schulen: Große Auswahl an internationalen und deutschen Schulen (Madrid, Barcelona, Málaga; ca. 6.000–15.000 €/Jahr).
- Kinderbetreuung: Kita ab 0 verbreitet, öffentlich ab 3 gratis; privat moderat (300–600 €/Monat).
- Familienleistungen: Kaum universelles Kindergeld – dafür Steuerabzüge; Familienleben ist gesellschaftlich tief verankert.
Regeln, die überraschen
- Alkohol draußen: Trinken auf offener Straße („botellón") ist in vielen Städten verboten und wird mit Bußgeldern geahndet.
- Cannabis: Privater Konsum geduldet (Cannabis-Clubs in Grauzone), öffentlicher Konsum kostet empfindliche Bußgelder.
- Rauchen: An vielen Stränden und auf Terrassen zunehmend verboten – auf Beschilderung achten.
Bewertungen im Vergleich
Kuratierte Richtwerte von 0 bis 100, je höher desto besser.
- Gesundheitssystem: 85 von 100
- Sicherheit: 85 von 100
- Offenheit ggü. Ausländern: 80 von 100
- Politische Stabilität: 80 von 100
- Pressefreiheit: 76 von 100
Freizeit
- 🏄 Surfen (Atlantik)
- 🏖️ Strandleben
- 🥾 Wandern & Camino
- 🎉 Fiestas
- 🍷 Tapas-Abende
- ⚽ Fußball
Dafür spricht
- Leben auf der Straße: Sonne, Plazas und große deutsche Communities
- Spürbar günstiger als Deutschland – vor allem abseits der Hotspots
- EU-Freizügigkeit: einreisen, anmelden, ankommen
Dagegen spricht
- Lokale Löhne ernüchternd – entspannt lebt nur, wer deutsches Einkommen mitbringt
- Ohne Spanisch bleibst du im Expat-Aquarium
- Cita previa: Behördentermine sind Glückssache
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